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Chomskys 10 Strategien der Manipulation

Noam Chomsky hat in satirischer Weise 10 Strategien der Manipulation aufgezeigt, die angewandt werden um eine Gesellschaft zu beeinflussen. Der Artikel mit den genauen Ausführungen von le bohémien ist äußerst interessant und aufschlussreich und macht noch einmal klar, in was für einer Zeit wir eigentlich leben und worauf wir wirklich acht geben sollten. Ich habe hier nur eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Punkte zusammengetragen:

  1. Kehre die Aufmerksamkeit um: Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wird auf unwesentliche Ereignisse umgelenkt, um sie von Informationen zu tatsächlichen politischen und wirtschaftlichen Änderungen abzulenken.
  2. Erzeuge Probleme und liefere die Lösung: Ein Problem wird erschaffen, um von der Gesellschaft die Erlaubnis dafür zu bekommen bspw. schärfere Gesetzesvorlagen umzusetzen und damit das Problem wieder zu beseitigen. (z.B. Agent Provocateur).
  3. Stufe Änderungen ab: Ein schleichender Prozess verschleiert den Blick auf die tatsächlichen Ziele und Auswirkungen.
  4. Aufschub von Änderungen: Ungewollte Änderungen werden als „schmerzhaftes Muss“ vorgestellt, was die Gesellschaft dazu bewegt diese letztendlich resigniert zu akzeptieren.
  5. Sprich zur Masse, wie zu kleinen Kindern: Wird die Gesellschaft gönnerhaft angesprochen, so verhält sie sich durch die Suggestion auch dementsprechend und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger Kritik üben.
  6. Konzentriere dich auf Emotionen und nicht auf Reflexion: Werden Bedürfnisse, Ideologien, Ängste usw. angesprochen, so wird das rationale Denken umgangen.
  7. Versuche die Ignoranz der Gesellschaft aufrechtzuerhalten: Der Masse soll es nicht möglich sein die Kontrolltechniken zu erkennen – Die Gesellschaft wird für dumm verkauft.
  8. Entfache in der Bevölkerung den Gedanken, dass sie durchschnittlich sei: Dies spielt mit dem vorhergehenden und dem folgenden Punkt zusammen!
  9. Wandle Widerstand in das Gefühl schlechten Gewissens um: Erlaube es, dass die Gesellschaft denkt, dass sie aufgrund ihrer Durchschnittlichkeit Schuld an allem Übel ist. Das verringerte Selbstwertgefühl erstickt Proteste im Keim.
  10. Lerne Menschen besser kennen, als sie sich selbst es tun: Je mehr das System über den Bürger weiß, umso besser kann sie beeinflussen und letztendlich damit kontrollieren.

Ich bin unglaublich beeindruckt von seiner Präzision in der Analyse des Systems, auch wenn sein satirischer Tonfall selbst etwas von oben herab formuliert ist. Hier ist noch einmal die französische Version.

Hinterfragen ist das Gebot der Stunde.

Written by zeitweilig

24. Juni 2011 at 23:59

Man wird nicht als Mann geboren, man wird dazu gemacht

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Neulich erst las ich einen wirklich guten Artikel über Kristina Schröder und ihre Familienpolitik bei Frau Lila. Gestern wies auch die Mädchenmannschaft darauf hin und erwähnte zudem, dass der Text ja von zwei Grünen geschrieben worden war. Das war mir irgendwie entgangen, ich schaute noch einmal nach und stieß dann über die Links auf den wirklich interessanten Text „Nicht länger Machos sein müssen“ Das grüne Männer-Manifest.

Ich möchte gar nicht so sehr jetzt die politische Einstellung oder die Partei bewerten, sondern eher die zugrunde liegenden Gedanken einmal genauer anschauen. Gerade weil das Manifest einige Punkte aufgreift, die gerne von den Maskulinisten, aber auch allgemein als Argumente angeführt werden, ist es meines Erachtens ganz interessant.

Eine der grundlegenden Thesen des Manifests dreht sich um die Konstruktion des Geschlechts und lautet schlicht: Frauen werden auf Weiblichkeit, Männer auf Männlichkeit reduziert. Und ich finde das trifft einen wichtigen Punkt, etwas das zumindest ich mir immer wieder bewusst machen muss: Wir sind alle mit Rollenklischees konfrontiert und belastet und kritisieren dies stark, weisen solche aber ebenso anderen zu. Was von den Autoren in den Mittelpunkt gerückt wird, ist die Emanzipation der Männer selbst, die Selbstbefreiung aus den sozialen Zwängen, die sie bisher verpasst haben.

Das Diktum des sozialen Geschlechtes, des Rollenzwangs und der festgelegten Verhaltensmuster gilt nämlich ebenso für Männer. Weil diese davon aber materiell und sozial immer profitiert haben, wurde erst in jüngerer Zeit zum Thema, dass Geschlechterrollen auch für Männer ein Korsett sind, das ihnen mehr schadet als nützt.

Als Beispiel angeführt werden die kapitalistischen Strukturen, in denen auch das Patriarchat sein Nest gebaut hat. Alle möglichen Krisen und Schwierigkeiten der letzten Jahre seien männlich konnotiert, weshalb der Aufruf zur Emanzipation auch eine Kritik am Wirtschaftssystem darstellt. Durch den ständigen Leistungsdruck und die erwünschten Wachstumssteigerungen, gerät das Private für Männer meist ins hintertreffen. Im Übrigen genau das, was viele Gegner des Feminismus auch immer wieder als Argument anführen, dass sie das Gefühl haben, für die Frau arbeiten zu müssen. Das sich Frauen durch dieses Verhältnis wiederum in eine Abhängigkeit begeben und unterdrückt fühlen, wird dann meist ignoriert, obwohl es im Endeffekt auf die gleiche Zielsetzung hinausläuft.

Die Konsequenz aus einem Umdenken wäre, dass Männer nicht so sehr unter Druck stehen müssten, nicht ständig ihre Männlichkeit unter Beweis stellen müssten, mehr Zeit für die Familie hätten und vieles mehr. Gleichzeitig würden sie damit Frauen ermöglichen aus ihrer Mutterrolle zu entkommen und auch die Möglichkeit geben am Berufsleben teilzuhaben. Es wäre die gleiche Arbeit, nur gleichmäßig verteilt. Habe ich etwas vergessen?

Männer, gebt Macht ab! – es lohnt sich.

Written by zeitweilig

8. Mai 2011 at 17:17