zeitweilig

Ein Blog ohne Sinn und Verstand

Elektrischer Reporter – Seilschaften im Netz

Der Elektrische Reporter gibt einen kurzen Überblick über das Thema „Frauen im Netz“. Klingt interessant genug, um es mal anzuhören und -sehen (Einbinden des Videos war leider nicht möglich). Allerlei gesammelte Fakten und Theorien, dass Frauen sich eher mit weichen Themen auseinandersetzen, Männer hingegen stark diskutierte Aspekte aufgreifen und damit mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken.

Auch Seilschaften unter Männern im Netz werden erwähnt und der scheinbar größere Ehrgeiz der Männer, auch in die Öffentlichkeit zu treten. Interessant dabei finde ich de Position, ähnliche Netzwerke/Klüngel/Seilschaften unter Frauen zu schaffen, um ein Gegengewicht zu haben. Liegt das Interesse darin, ein zweigeschlechtliches Netz zu schaffen, wo Frauen und Männer sich untereinander verbünden? Sind nicht gerade dies Machtstrukturen, die es abzuschaffen gilt, weil sie Gruppierungen Privilegien verschaffen und anderen nicht zusprechen?

Ist man Teil einer Gruppe, so grenzt man sich nach außen hin ab, durch eindeutige Erkennungszeichen und Ablehnung gegenüber Anderen – Die Subkulturen in unserer Gesellschaft sind wohl ein Paradebeispiel dafür, obwohl sich dieses Schema natürlich auch in den höchsten Kreisen wiederfindet. Ich finde solche Netzwerke äußerst wichtig, auch zu Identitätsbildung – Gerade im Netz tummeln sich bereits unzählbare. Wir können gar nicht ohne Gruppen und Gemeinschaften, behaupte ich, aber trotzdem stellen sie eine Gefahr dar. Nämlich dann, wenn sie sich gegenüber anderen diskriminierend verhalten.

Daher würde ich eher darauf setzen enge Seilschaften zu zersetzen und Gemeinschaften im Netz zu öffnen und nicht zu sagen: „Eintritt nur für —„. Eine Gemeinschaft zu bilden um einen Gegenentwurf zu anderen Seilschaften zu schaffen, kann nicht wirklich der richtige Weg sein.

Antje Schrupp zur gleichen Quelle, aber mit anderem Schwerpunkt. Kurz. Prägnant. Gut.

Was denkt ihr dazu?

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Written by zeitweilig

15. Juni 2011 at 21:10

Der Überwachungsstaat

Ich bin leider erst heute auf einen äußerst ausführlichen Berichts von Gutjahr über die Einschränkung der Bürgerrechte durch den Staat gestolpert. Ich möchte diesen an dieser Stelle unbedingt weiterempfehlen. Dies ist ein Thema, das alle angeht – Das Argument, man hätte doch nichts zu verbergen, zählt nicht mehr. Eine massive Beschneidung der Bürgerrechte, muss endlich aufgehalten werden. Ich zitiere nur mal aus der Einleitung seines Beitrags:

Ob auf der Straße oder im Internet, noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik wurden unsere Bürgerrechte beschnitten, wie in den vergangenen 10 Jahren. Zur Einstimmung auf das Thema, habe ich die massivsten Eingriffe hier noch mal zusammengefasst:

  • DNA-Analysedatei (BKA) 1998
  • Terrorismusbekämpfungsgesetz 2001
  • Einschränkungen der Versammlungsfreiheit 2005 + 2008
  • Videoüberwachung öffentlicher Plätze
  • Biometrischer Reisepass 2005
  • Gesetz zur Förderung der Steuerehrlichkeit 2005
  • Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz 2006
  • Anti-Terror-Datei 2006 (Datensätze aus 38 Behörden)
  • Reisepass mit Fingerabdrücken 2007
  • EU-Flugdaten-Abkommen 2007
  • Vorratsdatenspeicherung 2008 (2010 gestoppt)
  • KFZ-Rasterfahndung durch Kennzeichen-Scanner (ab 2008)
  • Einsatz von Polizei-Drohnen (ab 2008 u.a. Castor-Transport)
  • BKA-Gesetz (Wohnraumüberwachung, Bundestrojaner etc.) 2008
  • ELENA (Einkommens-Datenbank) 2009
  • Nacktscanner (Testphase) 2010
  • SWIFT-Abkommen (Überwachung des Zahlungsverkehrs) 2010
  • Militäreinsatz im Innern? (im Gespräch) 2011

Die Anti-Terror-Lüge auf Gutjahr’s Blog. Passend dazu auch ein Artikel der Süddeutschen (via Hearts at Minds)

Written by zeitweilig

7. Juni 2011 at 22:17

Abklemmen des Internetzugangs verstößt gegen die Menschenrechte

Bisher konnte ich in der deutschen Blogosphäre noch nicht allzu viel dazu finden, daher ist das alles noch etwas schwammig. Die UN hat am Freitag durch einen Bericht verlauten lassen, dass das Abklemmen des Internetzugangs einen Verstoß gegen die Menschenrechte bedeutet.

Dies bezieht sich, wie man sich denken kann, erst einmal auf die letzten Vorkommnisse in Syrien, Ägypten usw. wo die Bürger sich über Internetportale organisierten. Dies schließt jedoch auch noch ein weiteres Feld mit ein: das „Three-Strikes“-Gesetz in Frankreich. Demnach wird einem französischem Staatsbürger nach drei Vergehen im Internet (Copyright-Verletzungen) die Internetleitung gekappt. Auch unsere Bundesregierung zog diesen Vorschlag in Betracht, soweit ich mich erinnere. Nun bekommt dieser aber zum Glück ein schweres Gegengewicht… und das freut mich ehrlich gesagt ungemein.

Natürlich ist es nicht richtig, Daten über das Internet zu beziehen, die einem Copyright unterliegen und die somit jemandem gehören (Auch wenn man das ganze Copyright-Modell an sich in Frage stellen könnte… Da fahre ich doch lieber auf der Schiene von Open Access). Jemandem dafür jedoch den Zugang zu sozialen Kontakten und Wissen zu verwehren schlägt meines Erachtens nach jedoch weit über die Strenge. Es wurde ja schon länger diskutiert, ob man den Internetzugang nicht zu einem Menschenrecht erklären sollte, zumindest ist dieser Schritt der UN schon mal in die richtige Richtung.

Update: Wired. Golem.

Update: Burk meint, dass eine Zensur des Internets damit auch eine Menschenrechtsverletzung darstellt.

Written by zeitweilig

4. Juni 2011 at 16:44

„DIY Radikaler Feminismus“

Jojo hat mal wieder einen Comic über Feminismus veröffentlicht… Auf den ersten Blick mal wieder was zum Augen verdrehen. Geschickt benutzt er das von ihm als radikal feministisch deklarierte Vokabular zur Selbstabwertung, um einer Bewertung der Mode seiner Freundin zu entgehen:

„Legst du wirklich Wert auf die Meinung eines selbstgerechten priviligierten Arschlochs mit Penis?“

Ich glaube da ist ein wenig die Krux bei mir, dass der Feminismus als etwas abwertendes gegen Männer (bzw. ihn selbst) benutzt wird – Zielt der Feminismus doch auf eine Gleichberechtigung ab. Zudem wird das Vokabular im Gomig dazu benutzt, einer scheinbar ihm unangenehmen Situation aus dem Weg zu gehen und versperrt, trotz des darin enthaltenen ironischen Witzes, dem unbedarften Leser den Blick auf die eigentliche Bedeutung der Aussage.

Was mich aber wirklich stört: Es wird mal wieder eine Stereotype des Feminismus reproduziert, welche diesen als radikal und abwertend beschreibt. Daher finde ich die Situationskomik schon amüsant, kann mir aber vorstellen, dass einige Leser diese Aussagen gerne schnell anders interpretieren würden.

Das finde ich einerseits schade, weil es wieder eine Trolldiskussion starten könnte und sich die Antifeministen in den Kommentaren austoben können. Andererseits finde ich es wirklich gut, dass Jojo dies auf seinem Blog thematisiert und sich mit der Thematik auseinandersetzt sowie bspw. Sascha Lobos Beispiel folgt.

Written by zeitweilig

3. Juni 2011 at 11:31

LinuxMint 11 „Katya“

LinuxMint 11 "Katya" Desktop

Seit Samstag habe ich nun endlich meine neue Linux-Distribution für das nächste halbe Jahr gefunden. Es ist LinuxMint 11 „Katya“ geworden. Dies aus ganz einfachen pragmatischen sowie ästhetischen Gründen. Erst einmal begeistert mich das frische Design und die komfortable Umsetzung der Benutzeroberfläche. LinuxMint hat viele eigene Tools im Laufe der Zeit entwickelt und den Desktop einfach und zugänglich gestaltet. Einige Klicks und Wege sind anders für mich, da bspw. die Leiste oben wie in den älteren Ubuntu-Versionen weg fällt. Trotzdem geht das arbeiten flott von der Hand.

Der größte Vorteil für mich ist jedoch die Oberfläche, die auf Gnome 2.32 und noch nicht auf Gnome 3 oder aber Unity setzt. Ich finde beide Ansätze der neuen Desktopumgebung durchaus sehr fortschrittlich und vielleicht auch nötig. Jedoch stören mich kleinere Fehler die am Anfang einer neuen Benutzeroberfläche stehen und bei beiden Alternativen noch auftreten. In einem halben Jahr gebe ich also beiden nochmal eine Chance, solange bewege ich mich auf gewohnten Pfaden weiter.

Links:

LinuxMint

Neuerungen in „Katya“

Written by zeitweilig

30. Mai 2011 at 13:02

Veröffentlicht in Linux

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Servergate

Noch ein Nachwort zum Servergate, der Beschlagnahmung der Piratenpartei am letzten Freitag. Gleichzeitig ein Prolog, wie ich vermute, zu einem gerichtlichen Verfahren und einer riesigen Debatte.

Eine Polizeiaktion gegen die Piratenpartei wegen einer Distributed-Denial-of-Service-Attacke in Frankreich am letzten Freitag erfolgte ohne ein offizielles Rechtshilfeersuchen aus dem Lande. Der Strafverteidiger Udo Vetter twitterte: „Vorauseilender Gehorsam deutscher Gerichte gegenüber der französischen Justiz.“

In dem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Darmstadt vom 19. Mai 2011, der im Internet aufgetaucht ist, steht, dass die französischen Behörden die Übermittlung eines Rechtshilfeersuchens lediglich angekündigt hatten. Der Hoster der Piraten, das Unternehmen Aixit aus Offenbach, hat Golem.de die Echtheit des Dokuments bestätigt. (via golem)

Ich betone noch einmal: Der Durchsuchungsbeschluss, der also geleakt wurde, ist nur eine Ankündigung. Und dieser kam von einer Staatsanwaltschaft aus Paris, Frankreich. Die deutsche Polizei schickte daraufhin ohne richterlichen Erlass ihre Einsatzkommandos los, um sämtliche Server einer vom Grundgesetz her geschützten Partei abzuschalten und deren Kommunikationsstruktur damit lahmzulegen.

Das ist ein Skandal.

Written by zeitweilig

25. Mai 2011 at 22:47

Emanzipation ≠ Feminismus

Aufgrund eines Artikels ist mir nochmal etwas bewusst geworden, worüber ich schon früher oft diskutiert habe. Juliane Waack schrieb in ihrem Blog einen Artikel über die Unterscheidung von Emanzipation und Feminismus. Als Einleitung dazu schrieb sie:

Als Emanze wird man ja gerne mal bezeichnet, wenn man feministische Reden schwingt. Das darf auch weiter getan werden, aber synonym sollte man die Wörter nicht verwenden, denn Emanzipation und Feminismus sind nun wirklich nicht dasselbe.

„Emanze“ ist vom genus her schon weiblich und schnell schließt man daher auch nur auf Frauen. Es wird vorrangig dazu benutzt Frauen, die eine feministische Grundhaltung haben abzuwerten. Ich möchte gar nicht so sehr auf die Begrifflichkeiten eingehen, sondern auf ein anderes Phänomen hinweisen, dass mir immer wieder auffällt:

Sobald eine Frau also eine Position einnimmt, die sich für Gleichberechtigung ausspricht und darauf hinweist, dass Frauen in der Gesellschaft die Benachteiligten sind, wird fast augenblicklich eine Diskussion losgetreten, dass dies sooo unbedingt nicht richtig sei. Dass Männer ebenfalls benachteiligt wären, dass Frauen doch alles tun können was sie wollen und wir längst Gleichberechtigt seien usw. Etwas was man auch auf sämtlichen feministischen Blogs in den Kommentaren immer und immer wieder findet.

Spricht sich jedoch ein Mann für diese Gleichberechtigung aus und weist auf Benachteiligungen hin, so wird erstaunlicherweise darauf eingegangen und interessiert gelauscht. Eine Diskussion mit anschließender wenigstens teilweiser Einsicht wird viel öfter am Ende der Auseinandersetzung mit diesem Thema erreicht.

Woran liegt das? – Ich vermute es liegt an genau den Stereotypen, die auch eine Benachteiligung für Frauen im allgemeinen darstellen. Auch wenn es die meisten nicht zugeben würden, zählt auch hier, dass dem Wort von Männern mehr Vertrauen geschenkt wird. Erzählt eine Frau vom Feminismus, ist dies eben nur Emanzen-Gelaber… Unwichtig, überzogen, selbstsüchtig, weil sie sich für ihr Geschlecht einsetzt – sofort wird eine Gegenposition eingenommen. Erzählt dies hingegen ein Mann, so setzt er sich augenscheinlich uneigennützig für andere ein, zeigt dadurch sein reflektiertes Selbstbild, dass er Teil der Dominanz ist und dass er bereit ist Kompromisse einzugehen. Ihm wird schlichtweg mehr Glauben geschenkt.

Dies ist besonders drastisch, wenn es darum geht, dass sich Frauen über sexistisches Verhalten ihnen gegenüber empören. Spricht jedoch ein Mann in der Position eines Beobachters dazu, so fangen die anderen meist erst an, darüber nachzudenken.

Eigentlich traurig, dass die meisten so unreflektiert bei der Konfrontierung mit diesem Thema herangehen.

„It can’t be anymore obvious that we live in a patriarchal society if ‚feminist‘ is a bad word“ – Ellen Page

Written by zeitweilig

24. Mai 2011 at 20:35