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Ein Blog ohne Sinn und Verstand

Postgender in der Piratenpartei

with 8 comments

Vor ein paar Tagen erschien ein Artikel in der Süddeutschen zur „Geschlechterdebatte im Netz“ in Bezug auf die angebliche Postgender-Mentalität in der Piratenpartei Deutschland. Mirjam Hauck suchte wissenschaftliche Belege für oder wider der Behauptung, dass Geschlechterverhältnisse im Netz keine Rolle mehr spielen würden – und wurde überraschenderweise nicht fündig.

Postgender heißt, dass das Geschlecht keine Rolle mehr spielt, dass Machtverhältnisse ausgeglichen sind und keine Benachteiligung mehr stattfindet. Das ein solches Ideal unerkannt schon immer geherrscht haben soll, halte ich allein schon für utopisch – und zum Glück hat das der gefühlt größte Teil der Piratenpartei inzwischen auch erkannt. Zum glück gibt es inzwischen Zusammenschlüsse, wie den Kegelklub, die sich auch wissenschaftlich mit der innerparteilichen Genderdebatte auseinandersetzen. Wie im Artikel erwähnt, zeigen schon Plattformen wie hatr.org oder tausende von Kommentaren in feministischen/queeren/etc. Blogs, wie es um den Sexismus im Netz bestellt ist, nämlich keinen Deut besser als in der Realität. Ja, vielleicht tritt er sogar noch deutlicher auf, da der soziale Druck normgerechten Verhaltens hinter Pseudonymen verschwindet.

Die Piraten berufen sich bei These der häufig auf die Plattformneutralität des Netzes. Diskrimierungsfreie Teilhabe steht also als Ideal für die Herangehensweise an Probleme und Erarbeitung politischer Forderungen der Piratenpartei, wie ctrl+verlust kürzlich treffend feststellte. Genau auf dieser ursprünglichen Idee des Netzes beruht auch die These des Postgender – und wäre das Netz tatsächlich ein unabhängiger Raum, so müsste man sich auch keine weiteren Gedanken darum machen. Aber schon allein dadurch, dass Menschen nicht nur durch das Netz sozialisiert sein können, sondern auch im Offline-Leben geprägt werden, Wertvorstellungen entwickeln und übernehmen, musste diese These scheitern.

Insofern erschließt sich mir nicht, warum in der Süddeutschen nach wissenschaftlichen Belegen für Geschlechterneutralität gesucht wurde – Ich behaupte, dass das (zumindest zu diesem Zeitpunkt) an der Realität vorbei gedacht ist.  Wie man allerdings anfangs auf die Idee kam, sich selbst als Postgender zu beschreiben, ohne sich vorher ernsthaft mit Gender auseinandergesetzt zu haben, ist mir auch noch immer ein Rätsel.

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Written by zeitweilig

14. Januar 2012 um 03:13

8 Antworten

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  1. […] Genosse!, Liebe EMMA-Redaktion. Ihr könnt mich mal!, Frauen im Boot bringt Unglück, Postgender in der Piratenpartei; Den eigenen Respekt bekommt man nicht von Anderen, Piraten-Post-Gender: Nichts tun, wenns […]

    • Nice Try.
      So viel Verschwurbeltes habe ich leider schon lange nicht mehr lesen müssen.
      Aber wer sich das antun möchte: Ein interessanter Versuch Postgender zu befürworten, aber etwas anderes zu meinen. Ganz nach der Devise: Einfach nicht die gesellschaftliche Konstruktionen von Geschlecht ansprechen, dann werden wir schon von alleine Postgender – wir sind ja in einer evolutionären Entwicklung und kommen da schon von alleine hin. Und das Frauen gerade noch benachteiligt werden… Oder habe ich da jetzt im Eifer etwas falsches rausgelesen?
      Ja ne is klar.

      zeitweilig

      7. Februar 2012 at 11:23

  2. Um Sexismus zu überwinden muss man ihn praktizieren und jedes gesellschaftliche Problem als ein geschlechtsspezifisches ausdeuten. Und Antirassist wird man, indem jeder Mensch fein säuberlich einer Rasse zugeteilt und als Interessengemeinschaft gedeutet wird. Ja ne, is klar.

    Peter

    7. Februar 2012 at 12:43

    • Ist das auf den Artikel bezogen oder auf den offenen Brief von „allesevolution“?
      Und ich würde dich bitten, das etwas differenzierter auszuführen, weil für mich nicht ersichtlich ist, auf was du hinaus willst.

      zeitweilig

      7. Februar 2012 at 12:56

  3. Postgender heißt, dass das Geschlecht keine Rolle mehr spielt, dass Machtverhältnisse ausgeglichen sind und keine Benachteiligung mehr stattfindet.

    Postgender heisst, dass das Geschlecht keine Rolle spielen soll. Der Antirassist behauptet ja nicht, dass es keinen Rassismus gäbe, indem er Rassenmerkmale als für sich irrelevant auffasst, um einen Menschen zu beurteilen.

    Wer jedes gesellschaftliche Problem auf eine Geschlechterfrage herunterbricht, der betreibt Sexismus. Analog dazu derjenige, der jedes Problem als ein rassenspezifisches deutet und deshalb genötigt ist, die Menschen fein säuberlich in Rassen aufzugliedern und sie als Interessengemeinschaft mit über Rassenmerkmalen hinausgehenden gemeinsamen Merkmalen zu deuten. Damit wird einerseits Sexismus und Rassismus, werden sexistische und rassistische Kategorien als primäre Analysekategorien etabliert. Deshalb sage ich: Sexismus und Rassismus wird nicht überwunden, indem man ihn praktiziert.

    Hatr.org ist übrigens ein gutes Beispiel, dass nicht Trollerei als „destruktives, sabotierendes Disskussionsverhalten“ das Problem ist, sondern feministische Hegemonie, die keine Opposition dulden will und das Mittel der Diffamierung der Diskussion vorzieht. Auf hatr.org finden sich jede Menge Beiträge, die nicht als Trollerei gelten können, sondern schlicht und einfach Meinungsäusserungen sind, die als unerwünscht klassifiziert und mit dem Etikett „Troll“ versehen aus dem gesellschaftlichen Diskurs ausgerenzt werden (sollen.

    Wenn denn geschlechtsspezifische Benachteiligungen behauptet werden, dann muss da schon etwas Konkreteres als „männliche Strukturen“, „patriarchale Sozialisation“, „hegemoniale Männlichkeit“ oder Ähnliches kommen, weil sonst der Verdacht nicht ausgeräumt wird, dass die Unterstellung nur zum Zweck des eigenen Vorteils vorgenommen wird. Also: konkret Benachteiligung aufzeigen, Allgemeinplätze, die so niemals widerlegt werden können, sind und bleiben bloss Unterstellungen.

    Meine Einwände beziehen sich im Wesentlichen auf deine Ausführungen.

    Peter

    7. Februar 2012 at 14:58

    • Ahja… ich glaube, du hast da etwas missverstanden.
      Zuerst einmal gibt es keine allgemein gültige Definition für den Begriff „Postgender“, zumindest keine, die mir bekannt wäre (aber ich lerne gerne dazu, also wenn du eine hast?). Die von mir verfasste Definition entspricht also der Schnittmenge der Interpretation der von mir verfolgten Diskussionen, um dieses Thema im Netz.
      Du magst recht haben, dass ich durch die Beschäftigung mit diesem Thema einen geschärften Blick darauf habe, an welcher Stelle Diskriminierungen durch Geschlechterdifferenz erzeugt werden. Das heißt im Umkehrschluss jedoch nicht, dass ich dies auf jedes gesellschaftliche Problem beziehe. Das ist auch nicht das, was ich in dem Artikel geschrieben habe… daher geht deine Kritik auch ziemlich an allem vorbei gerade.
      Um auf hatr.org zu sprechen zu kommen: Wenn du meinst, dass auf hatr.org auch sinnvolle Beiträge zu finden seien, dann hast du das Prinzip des Trolls vielleicht noch nicht ganz durchblickt. Es geht nicht nur um beleidigende, sexistische, rassistische, diskriminierende Kommentare, sondern auch um Derailing (Das was du gerade versucht hast) und vieles mehr.
      Übrigens Clever von dir, den Vorwurf zu machen, dass eine Opposition nicht geduldet ist und daher Kommentare als trollig deklariert und ausgeschlossen werden. Widerspreche ich dir, dann kannst du es als genau das anprangern und lasse ich mich auf eine Diskussion ein, dann hast du quasi gewonnen und den Artikel „gekapert“. ;)
      Um es am Ende nochmal zu betonen: DU hast am Thema vorbei argumentiert. Ich habe nicht dazu aufgerufen Sexismus oder Rassismus zu praktizieren, ich habe nur eine kurze gedankliche Analyse geliefert, dass Postgender einen Idealzustand darstellt, den wir noch lange nicht erreicht haben. Es bringt nichts, diese Themen nicht mehr zu thematisieren, in der Hoffnung, dass es dann schon von alleine verschwindet. Um Geschlecht dekonstruieren zu können, muss man es anaylsieren, sich ins Bewusstsein rufen und daran arbeiten.

      zeitweilig

      7. Februar 2012 at 16:44

      • Indem wir Werbung auf hatr.org schalten drehen wir den Spieß um und machen aus Hass Geld, das wir für coole Projekte einsetzen/spenden werden.

        hatr, hate, hate speech.

        Es geht nicht nur um beleidigende, sexistische, rassistische, diskriminierende Kommentare, sondern auch um Derailing (Das was du gerade versucht hast) und vieles mehr.

        Kurzum: alles, was als nicht opportun eingestuft wird. Ein Blick auf hatr.org genügt um zu sehen, dass da (auch, es gibt selbstverständlich auch Beiträge, die unangemssen im Ton und Inhalt sind) schlicht Meinungen zu finden sind, die man nicht teilen muss, die aber zuallererst Intoleranz der BetreiberInnen von hatr.org dokumentieren.

        Als ein Beispiel von vielen:

        Dass Kachelmann alles abstreitet, ist ja klar: So haben es die Täter schon immer getan.
        Ja, so haben es Unschuldige auch schon immer getan.
        In diesem Prozeß ging es darum, herauszufinden, wer Opfer und wer Täter ist. Und wenn er unschuldig ist? Dann vertausche bitte die Opfer- und Täterrolle.
        Soll dann das Opferwort immer noch mehr Gewicht haben? Oder sollte es so sein, daß das Wort der Frauen immer mehr Gewicht hat?

        Ja, das darf natürlich nicht geduldet werden, solch ein menschenverachtender hate-speech! ;)

        Wird mein Beitrag, den Du ja als Derailing klassifiziert hast, auf hatr.org eingestellt? Anscheinend erfüllt er ja ein Kriterium.

        Peter

        7. Februar 2012 at 20:58

        • Ohhh… du hast mich überzeugt ;)
          Um den Spieß mal umzudrehen: Alles was feministisch ist lehnen Maskulinisten ab und unterbinden alles, was sie als Opposition empfinden und lassen keine normalen Diskussionen mehr zu.
          Falls du dich jetzt zu dieser Gruppe zählst (oder dazu gezählt wirst), wirst du vielleicht aufschreien und sagen, dass das doch nicht so sei und total undifferenziert und verallgemeinernd. Und das ist es auch! Genau wie dein Kommentar gerade schon wieder. :)
          Vielleicht hilft dir das beim verstehen. (ich spare mir mal Metaphern mit in den Spiegel schauen und so ;) …)

          Und nein du kommst nicht auf hatr.org… ich habe dort 1. keinen Account und 2. bisher bin ich gut damit zurechtgekommen zu argumentieren und beleidigende Inhalte zu löschen und zu kommentieren.
          (Dein Kommentar verfolgt trotzdem weiter Derailing ;) …und ich bin vielleicht mit auf den Zug aufgesprungen, steige nun aber wieder aus, danke für die Fahrt.)

          Einen schönen Abend wünsche ich :)

          zeitweilig

          7. Februar 2012 at 21:16


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