zeitweilig

Ein Blog ohne Sinn und Verstand

Gemächt und Macht

with 2 comments

Ich bin normalerweise kein Leser von journalistischen Printmedien. Sämtliche Informationen und Artikel beziehe ich schon seit Jahren fast ausschließlich über das Internet – Zahnarztbesuche verbunden mit Langeweile mal ausgenommen. Durch einige Artikel die mir einerseits sehr zusagten, andererseits aber auch Positionen die recht kontrovers und kritisch in ihrer Darstellung zu betrachten sind, ist mir vor allem der Freitag in den letzten Monaten immer wieder aufgefallen.

Eben im vorbeigehen habe ich mir mal die aktuelle Ausgabe (19. Mai 2011, 20. Woche) gekauft um einfach mal rein zu schnuppern und bin gleich über einen der beiden Artikel auf der ersten Seite ins stolpern gekommen.

„In den Fallstricken einer Kultur, die auf Gemächt und Macht basiert“ von Ulrike Baureithel las ich und war erstmal interessiert. Auf der Webseite ist der Artikel bereits verlinkt unter der Rubrik Streitpunkt – Kommentar des Tages. Die Rubrik ist eindeutig zutreffend, nicht weil ich es als einen an sich streitbaren Punkt empfinde, sondern weil ich den Kommentar an sich kritisch sehe. Ich verstehe einfach nicht, worauf er abzielt.

Zu Beginn werden zwei Fälle kurz umrissen: die „spektakuläre Racheaktion von Ameneh Bahrami„, welche am letzten Wochenende verschoben wurde sowie der aktuelle Fall des Vorwurfs der Vergewaltigung einer Hotelangestellten durch Dominique Strauss-Kahn, dem Direktor des IWF. An diesen beiden Beispielen wird eine riesige Differenzlinie aufgebrochen, indem sie schreibt, dass diese Beispiele nicht viel miteinander gemein hätten, doch zwischen ihnen spanne sich das auf, was man den „Jahrhunderte andauernden Prozess der Zivilisation nennt“. Die Verwandlung des Prinzips Auge um Auge, Zahn um Zahn in rechtsstaatliche Verfahren.

Anhand dieser Beispiele ordnet sie Bahrami und ihre Kultur in eine archaische Gesellschaft ein und Strauss-Kahn und „seine“ Gesellschaft in eine zivilisierte. Allein das finde ich unmöglich – das Frau Baureithel, die sicherlich auch in unseren Industriestaaten aufgewachsen ist, sich selbst und unsere Gesellschaft als zivilisiert betrachtet und andere Gesellschaftsformen herabwürdigt. Nur weil wir uns zu den westlich-geprägten Ländern zählen, finde ich es falsch die eigene Machtposition zu benutzen und andere Länder herabzusetzen. Das ist schlicht: Diskriminierung.

Ein folgender, kurzer Einwurf mit Erklärungen und einem Beispiel finde ich wieder gelungen:

Dass sexuelle Nötigung und Vergewaltigung überhaupt als strafbare Delikte verfolgt werden, ist Frauen zu verdanken. Sie pochten darauf, dass derartige Vergehen weniger mit männlichem Trieb als mit Gewalt und Dominanzwillen zu tun haben, und das ist noch immer nicht reziprok. Die Vorstellung, Angela Merkel könnte sich an einem 30 Jahre jüngeren Hotelangestellten vergehen, reizt nicht nur wegen ihrer asexueller Ausstrahlung zum Lachen, sondern weil die hegemonial-männliche Kultur, die auf Gemächt und Macht basiert, dafür keine Phantasien bereitstellt.

Leider schlägt es danach ins Skurrile um. Die Politisierung des Privaten der Mächtigen, hätte deren Lebenswandel öffentlich  und damit instrumentalisierbar gemacht. Soweit kann ich noch nachvollziehen, was ich nicht verstehe, warum sie daraufhin munter zwischen Positionen hin und herspringt:

Insofern ist die mit dem Gemächt verbundene Macht die Achillesferse mächtiger Männer, weil sie erpressbar werden; vorausgesetzt, es gibt einen Rechtsstaat, der die Vorwürfe blind, ohne Ansehen der Person verfolgt. Doch selbst wenn diese sich als unhaltbar erweisen und es beim Rufmord bleibt, kann das kein Argument gegen seine Intervention sein.

Die Emanzipation und der Kampf gegen Vergewaltigung und sexuelle Belästigung war also nicht richtig, weil die Mächtigen nun erpressbar sind und das sei falsch? Mit den folgenden Sätzen kann sie sich gerade noch retten, indem sie sagt, dass es eben unabhängig von der Person so sein sollte und das kein Argument gegen eine Intervention sein solle. Aber hätten diese Sätze nicht genügt? Der letzte Satz, wo sie auf den zu vermeidenden Rückfall in das archaischen Prinzip hinweist, kommentiere ich jetzt mal nicht weiter.

Ich weiß gerade selber nicht mehr, ob ich mich einfach in Rage gelesen und geschrieben habe… Ist das nachvollziehbar alles, dass es mich stört, wie sie verallgemeinert und trotz ihres eigentlich guten(?) Willen das Ziel verfehlt?

Ich brauch erst mal einen Kaffee mit ganz viel Zucker <.< …

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Written by zeitweilig

19. Mai 2011 um 16:19

2 Antworten

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  1. Ich glaub ich brauch erstmal nen Espresso…einen doppelten und ein ganzes päckchen zigarette bitte!
    Alos, worum gehts? Dass ein Vergewaltigungsvorwurf an eine hohes Tier in einem öffentlichen Amt ohne seiner Person zu schaden von statten gehen muss. Aha. Nur weil er ein „öffentliches Amt“ innehält? Also, anderen TäterInnen schadet das nicht oder was? Ausserdem besteht im Falle DSK auch Verdacht auf andere Fälle von sexueller Nötigung. Sie geht davon aus, dass der nur wegen seiner Position eingesperrt wird und es in erster Linie ein gefundenes Fressen für die (amerikanischen) Medien ist?
    Wenn es ihr um die mediale Unversehrtheit einer öffentlichen Person in einem vergewaltigungsvorwurf geht, dann soll sich die Gute doch lieber ne Scheibe von diesem Artikelschreiber abschreiben, äh abschneiden:
    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/vermischtes/343352/343353.php aber wahrscheinlich bin ich auch nur überarbeitet und lese nur was ich grade lesen will ._.“

    Kawantosaurusrex

    19. Mai 2011 at 17:50

  2. Hm… Deine Überlegungen haben etwas für sich. Ich denke es trifft zu, dass sie vermutet, dass sie ihn politisch absägen wollen. Und das dies oft geschieht (z.B. Kachelmann…). Was mich so verwirrt ist ihr sprunghaftes hin und her… Der im ersten Moment danach klingt, als sei dies erst durch die Thematisierung der Vergewaltigung in unserer Gesellschaft möglich, dass jemand erpressbar sei. Ich finde das alles einfach nicht ausreichend bzw. unsauber formuliert, wenn ich mit etwas Abstand nochmal drüber nachdenke.

    zeitweilig

    19. Mai 2011 at 19:12


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