zeitweilig

Ein Blog ohne Sinn und Verstand

Feminismus und re:publica und überhaupt [+Update]

with 11 comments

Auf dem Comic-Blog von Jojo entbrannte heute morgen eine Diskussion über Feminismus/Diskriminierung/Sexismus in der Bloggerszene, nachdem er einen Comic über feministische Panels auf der re:publica veröffentlicht hatte. In den Kommentaren versuchten sich vor allem Trolle und „mir doch egal – betrifft mich nicht“-Personen gegenseitig zu übertrumpfen und eine richtige Diskussion kam auch nur so halb zustande.

Aber ist der Comic nun frauenfeindlich, sexistisch oder diskriminierend oder war es nur die Diskussion und die Kommentare der hatr?

Im (oben verlinkten) Comic lauscht Jojo einem Vortrag auf der re:publica, in dem es eigentlich um Wikipedia ging. Frauen sollten sich organisieren, Stammtische bilden, um vermehrt an der Wikipedia teilzunehmen, so wurde von Kathrin Rönicke gefordert (ob das den eigentlichen Inhalt ihres Vortrags widerspiegelt ist nicht ganz geklärt bis dato). Jojo bleibt daraufhin die Club Mate im Hals stecken und es gibt einen kurzen Rückblick, auf die Erfindung des Internets, wo sich die Nerds vor Jahrzehnten vor ihren eigenen diskriminierenden Erfahrungen geflüchtet sind. Dort sei es so, dass alle Merkmal eines Menschen hinter einem Nutzernamen verschwinden würden und demnach alle gleich seien und auch so behandelt werden würden. Er fragt sich warum sich Frauen erst „Toilettenklischee“-mäßig „zusammenrotten“ und dann gemeinsam einloggen sollten – Genau das findet er sexistisch. Es folgte besagtes flamen in den Kommentaren.

Ich denke es gibt zwei Punkte die man aufgreifen kann:

  • Die recht amüsante Glorifizierung der Entstehung des Internets beinhaltet ein grundlegendes Problem. Nach dem Comic waren es männliche „Nerds“ die das Internet eroberten. In die Realität übertragen, könnte man vermutlich sagen, dass es vornehmlich Technik-affine Männer waren, die das Internet nutzten. Geht man nach Jojos Darstellung, so sollten die Frauen das gleiche tun und sich das Internet durch die einfache Teilhabe zu eigen machen. Was bei der Analogie vergessen wurde: Als die „Nerds“ das Internet eroberten, war noch keiner da. Sie mussten sich nicht behaupten, sondern konnten sich nach herzenslust austoben (mal ganz grob vereinfacht und verallgemeinert gesprochen). Frauen hingegen wurden (Klischee: „Frauen und Technik“) durch die gesellschaftlichen Umstände weniger damit in Berührung gebracht bzw. es wurde ihnen nicht zugestanden. Ich weiß, dass das alles sehr vereinfacht dargestellt ist, aber ich würde schon sagen, dass es die „Nerds“ um einiges leichter hatten, sich in ihrer neuen Welt auszutoben, als Frauen, welche sich in diese „integrieren“ müssen, nur weil sie zu Anfang davon ausgeschlossen waren. Gleiche Forderungen zu stellen ist als eher Fehl am Platz.
  • Zu sagen, dass ein Zusammenschluss nutzlos ist, sondern dass Frauen sich einfach einbringen und mitgestalten sollten ist schwierig zu bewerten, geht jedoch ein wenig über die Problematik hinweg. Es ignoriert das bestehende Problem von Sexismus in der Bloggerszene in Form von Flamewars, Shitstorms und einigem mehr. Eine solche Masse an Widerstand müssen nicht viele männliche Blogger über sich ergehen lassen und schon allein deshalb ist der Vergleich eher schwierig [edit: Dies ist zumindest mein persönlicher Eindruck]. Im Zusammenschluss ist zumindest ein Austausch möglich, eine Plattform vielleicht, in der darüber diskutiert werden kann, in der ein Umgang damit gefunden wird. Es wird behauptet, dass wenn sie sich erst zusammenschließen und Gruppen bilden, sie sich abspalten und selbst ausgrenzen würden. Das Problem ist glaube ich eher, dass Frauen von Anfang an ausgeschlossen wurden bzw. inzwischen von der Mehrzahl toleriert werden, mehr aber auch nicht.

Im Endeffekt kann man es zusammenfassen und sagen: Der geschlechtsspezifische Umgang miteinander, ist nicht durch Nutzernamen verschwunden, sondern ist ebenso in der Netzkultur wie in der Realität existent. Ein einfaches Ignorieren, lässt es nicht verschwinden. Aber der Comic selbst – ist vielleicht nicht ganz zu Ende gedacht, aber sexistisch?

Ich bitte um Kritik.

Update: Durch den Hinweis von Katrin hier der Link zum Video [ab Minute 35] – dem vermeintlichen Grund für Jojos Comic. Wie erwartet lag das eigentliche Thema irgendwie woanders.  „Es gibt Wikipedia_Stammtische – warum gibt es keine Wikipedia-Frauen-Stammtische?“, war wohl der auslösende Kommentar, die transformation im Comic dann der Start der Diskussion.

Ansonsten aber ein gutes Interview. Auch sehr beeindruckend: Julia Probst, direkt vor Katrin Rönicke.

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Written by zeitweilig

2. Mai 2011 um 18:35

11 Antworten

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  1. Ich glaube nicht, dass Jojo den Comic gegen Feministinnen gerichtet hat und auch nicht, dass die Aussage sexistisch gemeint ist. Ich habe die Kommentare zu dem aktuellen Comic gelesen und verstehe das Problem „Sexismus/Diskriminierung im Netz“. Unglaublich was für Kommentare man als reifer (?!), erwachsener Mensch von sich geben kann! Da wird einem klar, warum der Anteil der Bevölkerung, die sich für Gleichberechtigung stark macht Sturm läuft.
    Dennoch: ich sehe den Comic weder als sexistisch noch diskriminierend an. Jojo hat weder erwähnt, wer den Vortag hielt, noch den Titel. Er wahrte die Anonymität der Referintin; ausserdem geht ganz klar hervor, dass es sich um seine Meinung handelt.
    Ich denke, dass du mit dem zweiten Punkt, dass Frauen aus dem Netz ausgeschlossen werden, nur zu 50% recht hast. Einige Frauen tun sich mit Technik schwer und werden zu Opfern von blöden Scherzen (bzw., in schweren Fällen werden feministische Blogs von Trollkommentaren heimgesucht); aber ist es dann nicht sinnvoller, weiblichen Internetnutzern eine Anleitung oder Hilfestellung fürs „emanzipierte Surfen“ zu geben(hatr zum Beispiel)? Eine „organisieren“ führe m. A. nach nur dazu, dass einige sich viellicht gar nicht trauen, alleine ins Netz zu gehen. Oder verstehe ich das „Organisieren“ falsch und es ist eher „vernetzen“ gemeint?
    Was mir schleierhaft ist und bleibt ist der Begriff „geschlechtsspezifische Umgang“; in meinen Ohren hört sich das so an, als ob man beim Umgang mit anderen Mitmenschen darauf achten mus, welches Geschlecht das Gegenüber hat um angemessen darauf zu reagieren. Aber das ist dann doch keine sexuelle Gleichberechtigung?
    Ich bitte um Nachsicht, ich kenne mich mit dem Thema „Sexismus im Netz“ nicht so gut aus und habe erst vor einem Monat angefangen mich damit zu beschäftigen.

    Kawantosaurusrex

    2. Mai 2011 at 20:50

    • Ich finde es auch in vielen Fällen schwierig festzustellen, ob es sich tatsächlich um Sexismus handelt oder nicht – daher auch der Versuch das irgendwie auseinander zu nehmen.
      Es geht klar hervor, dass es seine eigene Meinung ist, das ist richtig – auch in den Kommentaren erläutert er ja noch ein wenig genauer, wie er es gemeint hat. Aber nur dadurch dass es seine persönliche Meinung ist, befreit das ja nicht von der Möglichkeit trotzdem (vielleicht auch ungewollt/unbewusst) eine sexistische Aussage zu treffen.
      Mit organisieren (wenn du dich auf die Aussage der Referentin berufst) ist glaube ich eher vernetzen gemeint – so habe ich es zumindest ebenfalls interpretiert. Es erscheint mir allerdings immer so, als müssten sich Frauen anpassen, etwas ändern, sich richtig vernetzen, um eben teilnehmen zu können – das sich sexistische Trolls und Chauvinisten aber eigentlich ändern sollten, wird kaum gefordert. (Warum soll ein Opfer etwas an seinem Verhalten ändern? – Der Täter trägt doch die Schuld!) Einen richtigen Umgang damit weiß ich auch nicht. Ich hoffe, dass eine Thematisierung Aufklärung mit sich bringt.
      Der „geschlechtspezifischen Umgang“ war übrigens als eine schöne Umschreibung für „Diskriminierung aufgrund von Geschlecht“ gemeint gewesen.

      Ich bitte ebenfalls um Nachsicht ;) …beschäftige mich erst seit vielleicht ’nem knappen halben Jahr mit der Thematik. Spannend ist es allemal :) Bleib dran!

      zeitweilig

      2. Mai 2011 at 21:14

  2. Ich versteh nicht, warum dieser Comic so große Wellen in der „Blogosphäre“ (zumindest in der feministischen) schlägt. Auf jeden Fall macht dieses Verhalten mir leicht verständlich, warum heutige Feministen so großen Gegenwind aus breiten Gesellschaftsschichten bekommen: Ihre Forderungen stoßen zu vielen Menschen vor den Kopf, stoßen in ihrer Unhöflichkeit viele vor den Kopf. In meinen Augen erweckt das oft den Anschein, daß ganz stumpf männlicher Chauvinismus mit weiblichem Chauvinismus bekämpft werden soll. Mit so einer rabiaten Vorgehensweise fängt man sich natürlich Gegenwind ein, das sollte doch jedem klar sein…

    Ein schönes Beispiel für solche weltfremden feministischen Ansichten und den daraus erwachsenen Widerspruch hab ich in der Diskussion beim Comic gefunden:

    “Es geht darum, dass eben alle gleich behandelt werden. Der Punkt ist, dass dem nicht so ist – und genau da liegt doch der Missstand.”

    und die Antwort darauf:

    „Also ich finde nicht, daß das immer ein Mißstand sein muß. Nicht jeder ist gleich, also kann man auch nicht jeden gleich behandeln. Ich behandle z.B. Menschen schlechter, wenn sie mir gegenüber unfreundlich sind. In dieser “Diskriminierung” bin ich wiederum völlig geschlechtsneutral… ;-)“

    Kritik

    2. Mai 2011 at 22:05

    • Das was du als Unhöflichkeit bezeichnest, hat jedoch den Ursprung in dem Verhalten, dass Frauen entgegengebracht wird. Du argumentierst so, dass es Männern erlaubt wäre, ebenso unhöflich zu reagieren wie die Frauen sie behandeln – sprichst den Frauen dieses Recht aber ab, indem du den Ursprung ihres Verhaltens nicht berücksichtigt. ;) Aber du kannst mich gerne korrigieren, wenn ich falsch liege.

      Der erste Kommentar deines Beispiels aus der Diskussion stammt von mir. Und nach der Antwort von ihm habe ich aufgegeben… Don’t feed the Troll!
      Ich will es aber trotzdem einmal kurz erläutern: Es ist schlicht eine Verdrehung meiner Aussage, die er süffisant benutzt um einen völlig anderen allgemein gültigen Punkt aufzugreifen, der schwierig zu kritisieren ist – an der eigentlichen Diskussion aber vorbeiführt. Er sagt, nicht jeder sei gleich, also könne man auch nicht jeden gleich behandeln. Das ist so gesehen natürlich richtig: Wir sind alle Individuen und jeder hat unterschiedliche Bedürfnisse, vielleicht eine Behinderung o.ä. und möchte dementsprechend behandelt werden. Dagegen ist nichts zu sagen.
      Es ging nur nicht um individuelle Unterschiede, sondern darum dass Frauen allgemein anders behandelt werden als Männer. Das ist kein individueller Unterschied, das ist eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Von daher führt seine Antwort schlicht am Thema vorbei… War aber ein netter Versuch.

      zeitweilig

      2. Mai 2011 at 22:23

  3. Oh, da wurde ich offensichtlich falsch verstanden… Ich finde, niemand hat von sich aus das Recht, andere Menschen unhöflich zu behandeln. Aber wenn ich von anderen Menschen aggressiv oder sonstwie intolerant angegangen werde, dann sehe ich es schon als legitm an, mich zu verteidigen.

    Du hast natürlich recht, wenn du sagst, daß Frauen anders behandelt werden als Männer. Das liegt ja unter anderem auch daran, daß sie anders sind und sich oft auch anders verhalten.

    Ein großer Kritikpunkt meinerseits am „Feminismus“ (mir ist klar, daß das eine grobe Verallgemeinerung ist) ist, daß da zwar die Benachteiligung von Frauen angeprangert wird, die es legitimerweise zu bekämpfen gilt (negative Diskriminierung). Allerdings habe ich noch nie eine Feministin gehört, die gegen die ebenso allgegenwärtige Besserbehandlung von Frauen (positive Diskriminierung) die Stimme erhoben hätte. Und dieses Verhalten finde ich recht verlogen…

    Kampf der Geschlechter kann doch für keinen vernünftigen, wirklich „menschlichen“ Menschen ein Ziel sein. Erstrebenswert ist doch ein gleichberechtigtes Miteinander zwischen Mann und Frau. In meinem privaten und beruflichen Umfeld funktioniert das eigentlich ziemlich gut.

    Ich finde, der Feminismus gräbt sich heutzutage auf zweierlei Wegen selbst das Wasser ab. Zum Einen wird da oft zur Bekämpfung von Frauendiskriminierung auf Männerdiskriminierung gesetzt (zum Glück ändert sich das teilweise schon langsam…), und das widerspricht natürlich wieder der Gleichberechtigung, nur eben anders rum. Zum Anderen gibt es eben auch heute noch viele Frauen, die gar nicht selbstständig und stark und emanzipiert sein wollen. Und für diese „unfeministische“ Lebensauffassung haben Feministinnen in meinen Augen auch zu wenig Verständnis.

    Kritik

    2. Mai 2011 at 23:01

    • Dann haben wir in dem Fall die gleiche Meinung zum unhöflich sein. Wie schon geschildert liegt das Problem eben im Ursprung des Ganzen – der patriarchalisch-geprägten Gesellschaft. Zudem ist es natürlich so, dass Frauen und Männer unterschiedlich sind – Dies aber kein Grund ist, Frauen weniger Lohn zu zahlen, ihnen Aufstiegschancen zu verwehren oder alltäglichem Sexismus in der Werbung und im Fernsehen auszusetzen. Schlicht: Eine Ungleichbehandlung der Geschlechter zu befürworten.
      Im Gegensatz zu dir, ist mir wiederum noch kein/e Feminist/in über den Weg gelaufen, der/die für eine Besserbehandlung plädierte. Ich denke die Frauen haben genug aufzuholen um überhaupt auf das Niveau der Männer zu kommen, um mal von richtiger Gleichstellung zu sprechen. Mich würde auch interessieren wo du solche Besserbehandlung siehst und wer für diese plädiert? Ein interessantes Thema allemal.
      Der Kampf der Geschlechter kann wirklich kein Ziel sein, nein… aber praktiziert wird er überall. Und wie schon vorher: Ignorieren, lässt das Problem nicht verschwinden. Das ist zumindest ein Grund sich damit auseinanderzusetzen. Man muss sich ja nicht auf eine Seite schlagen, aber vermitteln kann jeder und das wirklich gleiche Recht einfordern für beide Seiten.
      Mit den letzten beiden Punkten, die du genannt hast, bin ich mir nicht so sicher. Ich, als Mann, habe nicht das Gefühl von Frauen im feministischem Kontext schon einmal diskriminiert worden zu sein. Ich denke das ist eher der „Kampf der Geschlechter“ im Netz – ein Hin und Her ge-bashe. Also graben sich Machos genau so das Wasser ab, weil sie ebenso handeln? Oder ist das die Frage nach „Henne und Ei“, wer nun angefangen hat? …Zum letzten Punkt jedoch: Natürlich gibt es solche Lebensauffassungen, diese sollten auch respektiert werden, es muss nur die Möglichkeit gegeben sein, sich trotzdem in alle Richtungen entwickeln zu können bei Bedarf. Die Wut die zumindest mir dabei hochkommt ist die, dass diese Lebensauffassung früher eben erzwungen wurde und auch heute noch stark behindert wird, sich von dieser zu entfernen. Und ich finde mich selbst darin wieder solche, in meinen Augen, naiven Lebenseinstellungen zu kritisieren. Der Grund dafür liegt nur woanders: Die meisten von ihnen, haben sich nicht mit Feminismus auseinandergesetzt. Sie haben sich nicht bewusst für diese Rolle entschieden, sondern wurden hineingedrängt.
      Wenn du interessiert bist, würde ich dir Bascha Mika’s „Die Feigheit der Frauen“ empfehlen. Bietet zumindest einen guten Einstieg in die soziale Konstruktion der Frau.

      zeitweilig

      3. Mai 2011 at 00:05

  4. „Wie schon geschildert liegt das Problem eben im Ursprung des Ganzen – der patriarchalisch-geprägten Gesellschaft.“
    Und die wird zur Hälfte von Frauen mit getragen. Wobei ich diese Gesellschaft, so wie sie aktuell ist, recht angenehm finde. Und den Frauen in meinem Umfeld geht es genauso…

    „Im Gegensatz zu dir, ist mir wiederum noch kein/e Feminist/in über den Weg gelaufen, der/die für eine Besserbehandlung plädierte.“
    Komisch. Dann hast du die Debatte um Frauenquoten verpasst? ;-) Oder warum darf ich mich nicht für die Wahl als Frauenbeauftragter aufstellen lassen? Und warum sind dafür nur Frauen wahlberechtigt?

    „Ich denke die Frauen haben genug aufzuholen um überhaupt auf das Niveau der Männer zu kommen, um mal von richtiger Gleichstellung zu sprechen.“
    Ich denke, es ist heute eher andersrum. Die Männer haben in Sachen Gleichberechtigung heute noch deutlich mehr aufzuholen als die Frauen:
    Da gibt es eine ganze Reihe gesellschaftlicher Bevorzugungen von Frauen, hier nur einige Beispiele: Wenn es um Sorgerechts- oder Unterhalts-Streitigkeiten geht, wenn es um Strafmaßfestsetzung geht, werden Frauen oft milder behandelt als Männer.
    Wie viele Männer sind denn heute in der Lage, sich dafür entscheiden zu können, ihren Job an den Nagel zu hängen und sich nur der Kindererziehung zu widmen, während die Frau die Brötchen verdient? Warum werden denn die meisten stressigen, anstrengenden, gefährlichen Berufe von Männern ausgeübt? Eben weil Männer noch sehr stark dem Druck ausgesetzt sind, Frau und Kinder zu versorgen. Warum strömen die Studentinnen denn hauptsächlich in die bequemen Ausbildungs- und Studienfächer und lassen die stressigen Sachen überwiegend den Jungs?

    „Ich, als Mann, habe nicht das Gefühl von Frauen im feministischem Kontext schon einmal diskriminiert worden zu sein.“
    Ich schon.

    „Ich denke das ist eher der „Kampf der Geschlechter“ im Netz – ein Hin und Her ge-bashe. Also graben sich Machos genau so das Wasser ab, weil sie ebenso handeln? Oder ist das die Frage nach „Henne und Ei“, wer nun angefangen hat?“
    Die Frage ist natürlich nicht richtig. Man muß immer danach fragen, wie man einen Konflikt beendet. Und dazu muß man natürlich auch fragen, wer von der Aufrechterhaltung dieses Konflikts profitiert.

    Und für jeden Macho gibt es ja auch ein Hühnchen, das das Spiel mitmacht. Sonst würde die Strategie ja nicht funktionieren. Es gibt immer zwei Seiten einer Geschichte.

    „Zum letzten Punkt jedoch: Natürlich gibt es solche Lebensauffassungen, diese sollten auch respektiert werden, es muss nur die Möglichkeit gegeben sein, sich trotzdem in alle Richtungen entwickeln zu können bei Bedarf.“
    Frau kann das heutzutage schon ziemlich gut. Ich sehe nicht, wo da zur Zeit noch besondere Probleme bestehen sollen. Schlimmer sieht es da mit den Rollenbildern und den Gestaltungsmöglichkeiten für Männer aus, wie schon angedeutet.

    „Die Wut die zumindest mir dabei hochkommt ist die, dass diese Lebensauffassung früher eben erzwungen wurde und auch heute noch stark behindert wird, sich von dieser zu entfernen.“
    Hat das jetzt einen speziellen Grund? Den Punkt verstehe ich jedenfalls (noch) nicht.

    „Der Grund dafür liegt nur woanders: Die meisten von ihnen, haben sich nicht mit Feminismus auseinandergesetzt. Sie haben sich nicht bewusst für diese Rolle entschieden, sondern wurden hineingedrängt.“
    Das sehe ich nicht so. Ich kenne viele Frauen, die unabhängig und selbstbestimmt ihren Weg gehen, und ich kenne auch welche, die sich für die Rolle als Hausfrau und Mutter entschieden haben. Aber ich kenne keine Frau, die unglücklich damit ist, in eine bestimmte Rolle gezwängt worden zu sein. Wie schon gesagt: Ich finde, Frauen sind heute (zum Glück) schon sehr frei in ihren Entscheidungsmöglichkeiten.

    „Wenn du interessiert bist, würde ich dir Bascha Mika’s „Die Feigheit der Frauen“ empfehlen. Bietet zumindest einen guten Einstieg in die soziale Konstruktion der Frau.“
    Nein Danke. Ich schöpfe lieber aus meiner eigenen Lebenserfahrung und denke selbstständig.

    Ich bin an dem Thema natürlich interessiert, unter anderem weil mir Toleranz wichtig ist, und auch weil meine Frau früher Feministin war.

    Kritik

    3. Mai 2011 at 01:05

    • Und die wird zur Hälfte von Frauen mit getragen. Wobei ich diese Gesellschaft, so wie sie aktuell ist, recht angenehm finde. Und den Frauen in meinem Umfeld geht es genauso…

      Das ist schön für dich und dein Umfeld, aber so geht es längst nicht allen. Ich finde nicht, dass man aufhören sollte, nur weil man das Gefühl hat, dass es einen nicht mehr betrifft.

      Komisch. Dann hast du die Debatte um Frauenquoten verpasst? ;-)

      Vielleicht hast du verpasst, dass sie nicht eingeführt wurde? ;) und zudem ging es darum eine Quote von gerade mal 30% einzuführen, damit überhaupt so etwas wie ein Gleichgewicht in Führungspositionen entstehen kann – Das sieht für mich nicht nach Gleichberechtigung aus. In anderen Bereichen mag die Wahlregelung zu kritisieren sein, aber gerade was Führungspositionen angeht…

      Ich denke, es ist heute eher andersrum. Die Männer haben in Sachen Gleichberechtigung heute noch deutlich mehr aufzuholen als die Frauen

      Eine Sichtweise die ich nicht wirklich nachvollziehen kann. Frauen haben im Durchschnitt weniger Aufstiegschancen im Job, bekommen weniger Lohn, werden aufgrund ihres Frau-seins nicht eingestellt, etc. Das Frauen im Schnitt öfter das Sorgerecht zugesprochen bekommen, bzw. Unterhaltsforderungen erfüllt, liegt an einem gesellschaftlichen Problem, dass du dir fast selber beantwortet hast:

      Wie viele Männer sind denn heute in der Lage, sich dafür entscheiden zu können, ihren Job an den Nagel zu hängen und sich nur der Kindererziehung zu widmen, während die Frau die Brötchen verdient?

      – Das Sorge-/Unterhaltsrecht wird öfter Frauen zugesprochen, weil sie kaum Chancen haben, aus ihrer Mutterrolle zu entkommen. Sie sind schlichtweg abhängig von ihrem Mann, eben weil die Gesellschaft es kaum zulässt, dass sie mit Kind einer geregelten Arbeit nachgehen können. Sollten sie doch im Jobleben stehen und sich Elternzeit nehmen, so ist es in der Regel so, dass Männer im Durchschnitt mehr verdienen (s.o.) und sich daher oft dafür entschieden wird, dass der Mann doch weiterarbeiten soll und den Ernährer spielen soll… Bis man genau in der klassischen Familienkonstellation landet, die es schon vor hundert Jahren gab.

      Die Frage ist natürlich nicht richtig. Man muß immer danach fragen, wie man einen Konflikt beendet. Und dazu muß man natürlich auch fragen, wer von der Aufrechterhaltung dieses Konflikts profitiert.

      Richtig. Ich habe nur das Gefühl, dass die männlich-dominierte Gesellschaft eher davon profitiert einen Konflikt am laufen zu halten, als etwas zu tun, was eigentlich offensichtlich ist: Etwas wo wir im Grund beide in der Meinung einhergehen, nämlich eine absolute Gleichbehandlung unabhängig vom Geschlecht.

      Schlimmer sieht es da mit den Rollenbildern und den Gestaltungsmöglichkeiten für Männer aus, wie schon angedeutet.

      Hat das jetzt einen speziellen Grund?

      S.o. Es gibt zwei Seiten der Medaille.

      Wie schon gesagt: Ich finde, Frauen sind heute (zum Glück) schon sehr frei in ihren Entscheidungsmöglichkeiten.

      Trotzdem bleibt die Frage, ob sie sich dessen bewusst sind und ob wirklich alle Möglichkeiten bestehen. Aus bereits genannten Gründen bezweifle ich eben dies.

      Nein Danke. Ich schöpfe lieber aus meiner eigenen Lebenserfahrung und denke selbstständig.

      Auch Diskussionen wie diese und Bücher gehören zur Lebenserfahrung. ;)

      Ein unerschöpfliches Thema wie du siehst… Ein reales Abbild der Gesellschaft mit ein paar Zeilen zu konstruieren und anschaulich zu machen ist natürlich schwierig und auch nicht wirklich möglich. Aber gerade durch die vielen Widersprüche eigentlich wert genauer betrachtet zu werden und auch andere Blickwinkel einzunehmen und zu betrachten.

      Viele Grüße, auch nach Hause ;)

      zeitweilig

      3. Mai 2011 at 09:11

  5. […] Eine Kurzkritik liefert die aktuelle Blogschau der Mädchenmannschaft, eine differenziertere Auseinandersetzung gibt es bei zeitweilig. […]

  6. das Video von dem Gespräch gibts bei Youtube. einfach „Katrin Rönicke“ suchen.

    dieKadda

    3. Mai 2011 at 21:58


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